Die Debatte um neue Führungsmodelle wird oft nur in der Theorie geführt. Wie du demokratische Elemente in Organisationen etablieren kannst, erfährst du hier am Beispiel der Personalbeurteilung.

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Der Status Quo

Die Kollegen, mit denen du tagtäglich zusammenarbeitest, können deine Leistung wesentlich besser einschätzen als dein Chef. Sie können dir angemessen Feedback dazu geben, wo deine Stärken liegen und in welchen Bereichen du dich weiterentwickeln solltest. Bislang ist es jedoch nicht üblich, dass Kollegen sich gegenseitig offen und kritisch beurteilen – wir delegieren dies gerne nach oben. Zugleich regen wir uns über minderleistende Kollegen auf und schimpfen, wenn der Chef sich des Problems nicht annimmt. Doch der Chef der Zukunft agiert im Hintergrund.

Beurteilung durch die Kollegen

Es gibt bereits erprobte Verfahren, die die direkte Beurteilung durch Kollegen erleichtern. Bei Scrum beispielsweise verpflichtet sich das Team auf ein gemeinsames Ziel und wird an dessen Erreichung gemessen. Jedes Teammitglied berichtet in einem täglichen kurzen Meeting über den eigenen Fortschritt. Wenn Einzelne gute Leistungen erbringen, wird dies im Team sichtbar – das Team benötigt keinen Chef, der lobt und anerkennt. Erbringt jemand keine gute Leistung, steigt der Druck des Teams auf den Einzelnen. Bislang existieren jedoch noch keine klaren Regeln, wie das Team auf schlechte Leistungen reagieren kann, wenn die direkte Aussprache zu keinem befriedigenden Ergebnis führt. Ein Scrum-Team verfügt auch selten über die Befugnis, gute Leistungen mit Beförderungen, Lohnerhöhungen oder Ähnlichem anzuerkennen.

Mit diesen Methoden klappt das Feedback durch die Kollegen!

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Mitarbeiterbefragung

Alle Mitarbeiter beantworten regelmäßig die Frage, mit wem sie wieder zusammenarbeiten möchten oder an wen sie sich wenden, wenn sie Unterstützung benötigen. Kollegen, die häufiger genannt werden, erfahren eine deutliche Wertschätzung. Kollegen, die von niemandem benannt werden, müssen sich mehr engagieren.

Kollegiales Feedback

Positives Feedback wird in Form von Kärtchen an einer Wand aufgehängt, in Form von symbolischen Figuren am Arbeitsplatz aufgestellt oder als persönliche Danksagung auf einer digitalen Plattform formuliert, die alle einsehen können. Kritisches Feedback erfolgt bilateral, zeitnah und mündlich. Falls dies (noch) schwierig ist, kann auch eine anonyme und weder für Vorgesetzte noch andere Kollegen einsehbare Plattform zur Übermittlung von kritischem Feedback eingesetzt werden.

Kollegiale Leistungsförderung

Die Mitarbeiter machen Vorschläge, wie die Kollegen ihre Leistung verbessern können. Diese Rückmeldung erfolgt sowohl zu Stärken als auch zu relevanten Schwächen. Der Prozess kann regelmäßig von außen angestoßen oder zur stetigen Routine werden, ähnlich einer Fitness-App: Jeder Mitarbeiter setzt sich ein Ziel, wie häufig er Feedback geben und erhalten möchte, und wird automatisch aufgefordert, dieses zu geben oder einzuholen.

Durch diese Methoden wird das ganze Team in die Verantwortung genommen – für die Leistung des Teams und jedes Einzelnen. Zunächst muss das Team jedoch ein gemeinsames Verständnis entwickeln, wer wofür die Verantwortung trägt und welche Mittel zur Verfügung stehen. Denn die Existenz möglicher Konsequenzen ist notwendig für die Selbstmotivation.

Du denkst, du kannst als gewöhnlicher Mitarbeiter sowieso nichts verändern?

Inhaltsbild 3Falsch: Niemand hat größeren Einfluss auf unsere Arbeit als wir selbst! Unternehmensführung geht nicht nur vom Management aus. Ein erster Schritt wäre beispielsweise, deinem Kollegen oder Chef einfach mal Feedback zu geben.

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