Während in grauen SEO-Vorzeiten massenweise Links gekauft wurden, um eine scheinbare Relevanz zu erzeugen, wagt dies heute kaum noch eine seriöse Seite in großem Stil. Zu groß ist das Risiko, dass die Seite von einem Algorithmus-Update oder gar einer manuellen Maßnahme (Abstrafung) getroffen wird. Stattdessen setzen viele auf “organischen Link-Aufbau” und damit auf Content-Marketing-Maßnahmen, die durch gezielte Verbreitung an Seitenbetreiber und Blogger (Seeding) Links generieren sollen. Bei passenden Themen und gut gemachten Inhalten ist das ein Konzept, das aus heutiger Sicht durchaus funktioniert. Allerdings muss man sich die Frage stellen, wohin sich Suchmaschinen in den nächstem Jahren entwickeln werden und wie dies die Bewertung von Backlinks generell und ­jede Form von Link-Aufbau im speziellen beeinflussen wird.

Ein Trend kann dabei trotz aller Relevanz von Backlinks für Rankings bei Google klar prognostiziert werden: Je besser die Suchmaschine den Nutzer, seine Bedürfnisse und vielleicht sogar seine ­Lebenssituation und sein Umfeld kennt, desto weniger muss sie sich auf manipulierbare äußere Signale verlassen. Je mehr Daten Google über unser Mail-Postfach, unser YouTube-Profil oder über bei ­Google abgegebene Bewertungen  erfährt, umso mehr sinkt die Relevanz von Backlinks als Bewertungsfaktor. Wir müssen davon ausgehen, dass uns Suchmaschinen in ­Zukunft nicht mehr Einheitsergebnisse liefern, sondern den einzelnen Nutzer viel spezifischer behandeln werden. Teils wird dies mit Systemen wie Google Now schon jetzt umgesetzt. Google “versteht” den Nutzer dabei so gut, dass Informationen schon bereitgestellt werden, bevor der Nutzer aktiv nach ihnen sucht oder – wie Google selbst sagt – “die richtigen Informationen zur richtigen Zeit” bereitgestellt werden. Hier schließt sich der Kreis.

Für Seitenbetreiber heißt das: Faktoren wie eine dauerhafte Kundenbindung, die auf einen guten Service hinweisen, werden in Zukunft darüber mitbestimmen, ob man im Netz sichtbar ist. Eine ebenso wichtige Rolle werden vermutlich Empfehlungen von Freunden und Bekannten spielen. Backlinks werden sicher nicht verschwinden, aber die Qualität der Verlinkung wird langfristig eine immer größere Rolle spielen. Verlinkt mich ein Experte auf meinem Gebiet? Wird der Link auch wirklich genutzt?

Ganz praktisch kann dies bedeuten, dass Sie sich für 2016 vornehmen müssen, sich gezielt mit Ihrem Social-Media-Team, dem Kundenservice und SEO zusammenzusetzen und zu überlegen, wie man die einzelnen Bereiche besser verknüpft, Nutzer zum Teilen von Inhalten anregt oder positive Bewertungen erzielt. Daneben dürfen die klassischen Backlinks aber derzeit ­sicher noch nicht vergessen werden.

Bei der Optimierung von Web-Inhalten geht es immer weniger darum, den Such­algorithmus der großen Search Engines zu durchschauen oder gar zu hintergehen, sondern den Nutzer zu verstehen und seinen tatsächlichen Bedarf zu antizipieren. Aus Search Engine Optimization wird Search Experience Optimization. Googelt ein Nutzer von unterwegs aus per Smartphone nach einem Bekleidungsgeschäft, sucht er in der Regel nicht den Online-Shop, sondern die Öffnungszeiten. Auf so etwas sollten sich Unternehmen, die ihren Kunden sinnvollen Webcontent anbieten wollen, vorbereiten.

Grundsätzlich gilt ­also: Wer nicht nur 2016, sondern auch in Zukunft eine Website haben möchte, die performt, sollte analysieren, welche ­Inhalte sich der Nutzer von ihm tatsächlich wünscht und an welcher Stelle er ­diese präsentiert. Denn auf den Inhalt kommt es an, wenn Webseiten-Betreiber aus Seitenbesuchern Kunden machen wollen.