Wenn man einem aktuellen Bericht (Paywall) der Financial Times Glauben schenken darf, so steht eines der EU-Wettbewerbsverfahren gegen Google kurz vor dem Abschluss. Und was für ein Abschluss: laut dem Bericht soll die Strafe die Summe von einer Milliarde Euro noch übersteigen.

Aus SEO-Sicht ist dieses Verfahren gegen Google besonders interessant: die EU-Kommission wirft Google vor, seine marktbeherrschende Stellung ausgenutzt zu haben. So soll Google sein eigenes Angebot Google Shopping systematisch in den Suchergebnissen bevorzugt haben.

Persönlich kann ich diesen Vorwurf nicht nachvollziehen. Auch kann ich in unseren Daten der SISTRIX Toolbox keine Hinweise darauf finden, dass Google Preissuchmaschinen generell benachteiligt. Aus meiner Sicht versteht die EU-Kommission grundlegende Zusammenhänge der Internetsuche nicht und versucht nun, dieses seit fast sieben Jahren laufende Verfahren gegen Google irgendwie zu einem öffentlichkeitswirksamen Ende zu bringen.

Ausreichend Beispiele für Erfolg in den SERPs

Die organischen Ergebnisse sind insbesondere für Shopping-Suchbegriffe sehr dynamisch: so wie sich das Such- und Kaufverhalten der Nutzer ändert, tauchen neue Anbieter auf und Anbieter, die sich nicht anpassen können, verschwinden wieder.

Dass gerade Betreiber wie die von Foundem.co.uk zu den lautesten Beschwerdeführern in diesem Verfahren gehören, sagt mehr über die fehlende Transformationsfähigkeit als über Google aus. Denn in den SERPs gibt es zahlreiche Beispiele für Shopping- und Preisvergleichswebseiten, die in den sieben Jahren des laufendes Verfahrens erfolgreich geworden sind. Hier ein Auszug aus Deutschland:

Domain Sichtbarkeitsindex 2010 Sichtbarkeitsindex 2017
ladenzeile.de 8,2 139,2
check24.de 3,7 170,9
kaufda.de 29,9 91,8
real.de (damals hitmeister.de) 21,5 90,1
billiger.de 2,8 107,1

Ähnliche Beispiele gibt es auch in anderen Ländern. Und je nachdem, wie weit man das Thema “Produktsuche” fasst, fallen noch zahlreiche weitere, neu hinzugekommene Discovery- & Vergleichs-Modelle dazu.

Google Shopping ist kein organisches Ergebnis

So banal es klingt: Google Shopping konkurriert nicht um die Plätze in den organischen Google-Ergebnissen, da Google Shopping kein organischer Treffer ist. Seit einiger Zeit sind die Google-Shopping-Treffer spezialisierte Anzeigenformate, die entweder oberhalb oder neben den organischen Treffern ausgespielt werden:

Shops und zunehmend auch Marktplätze bezahlen Geld, um dort vertreten zu sein. Stellt man generell in Frage, ob Google neben den organischen Treffern passende und (vergleichsweise klar) gekennzeichnete Werbeanzeigen ausspielen darf, rüttelt man am Firmenfundament von Google und zahlreicher weiterer Webseiten.

Amazon erfolgreicher als Google – bei Google selber

Das Nutzerverhalten hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Produktsuche passiert heute meistens auf Marktplätzen wie Amazon wie zahlreiche Studien bestätigen. Interessanterweise zeigt sich diese Veränderung im Nutzerverhalten und Angebot auch in unserem Sichtbarkeitsindex. Amazon.de konnte seine Sichtbarkeit im Zeitraum der Messung seit 2008 in etwa verdoppeln:

Die Folgen davon überraschen jedoch: so habe ich geprüft, wie häufig zum einen Google Shopping in unserem wöchentlichen Keywordset von einer Millionen Suchanfragen in Deutschland erscheint (Desktop): für 222.879 Keywords finden wir die Shopping-Integration von Google. Nun habe ich geprüft, wie häufig Amazon.de unter den ersten 10 organischen Treffern in diesem Keywordset rankt: hier sind es 276.950 Keywords.

Anzahl Keywords aus dem wöchentlichen Standard-Keywordset für Deutschland (Desktop): Häufigkeit der Shopping-Integration von Google vs. Anzahl organischer Top-10 Rankings von Amazon.de

Somit ist allein die Domain Amazon.de auf dieser Datenbasis erfolgreicher als Google Shopping – und das bei Google in den eigenen Suchergebnissen.

Der Beitrag Die Google-Irrfahrt der EU-Kommission erschien zuerst auf SISTRIX.