Teufel.ch, die Schweizer Webseite des Herstellers von Lautsprechern, Hi-Fi und Heimkinosystemen, kann eine Sichtbarkeitsveränderung von über + 200% verbuchen (01.05.2017) und fällt mit diesem Zuwachs in der Liste der ‚Top Gewinner‘ sofort auf. Nicht nur die prozentuale Veränderung der Sichtbarkeitspunkte, sondern auch der Verlauf der Sichtbarkeit in der zeitlichen Betrachtung zeigt eine interessante Entwicklung: Extrem spitzen und hohen Spikes folgt ein kompletter Sichtbarkeitsverlust bis auf 0 Punkte hinab.

Sichtbarkeitsindex teufel.ch auf google.ch

Solch ein Kurvenverlauf könnte potentiell ein Indiz für externen Duplicate Content sein. Vergleicht man die Sichtbarkeitskurven von teufel.ch mit teufel.de ist zum einen erkennbar, dass die deutsche TLD im zeitlichen Verlauf eine stabilere (und höhere) Sichtbarkeit in google.ch aufweist, als die Schweizer Domain. Zum anderen ist grafisch ersichtlich, dass, wenn teufel.ch einen Sichtbarkeits-Spike hat, teufel.de an Sichtbarkeit verliert. Hinzu kommt, dass neben diesen beiden Teufel-Domains noch eine Dritte, nämlich teufelaudio.com, in google.ch sichtbar ist.

Sichtbarkeitsverlauf teufel.ch, teufel.de und teufelaudio.com in google.ch

Taucht bei Google eine falsche Länderdomain in den SERPs auf, so könnte dies mit dem nicht gesetzten hreflang-Attribut in Verbindung stehen. Nach einem Blick in den Seitenquellcode, scheint jedoch das hreflang-Attribut korrekt umgesetzt zu sein. Somit sollte Google eigentlich die geografische Länderausrichtung verstehen.

Eine fehlende hreflang-Auszeichnung scheint nicht das Problem zu sein, warum teufel.ch keine konstanten Rankings in der Schweizer Googlesuche aufweisen kann und zudem noch andere Domains sichtbar sind. Der Ursprung der Problematik muss also ein anderer sein.

Eine Verkettung unglücklicher Umstände

1.Kombination von Noindex und Canonical

Schauen wir uns zunächst teufel.ch an. Bei genauerer Betrachtung einiger Seiten dieser Domain fällt zum Teil folgendes auf: Produktübersichtsseiten, wie bspw. ‚heimkino-produkte‘ (oder ‚wlan‘) wurden auf noindex gestellt.

Noindex-Anweisung für einer Produktübersichtsseite bei teufel.ch

Aber auch konkrete Produkt-URLs verfügen über eine Noindex-Anweisung,  jedoch weisen diese gleichzeitig mittels dem rel=“canonical“-Attribut auf eine präferierte (und kürzere) URL hin. Damit werden die Eigenschaften der Kopie auf das Original übertragen und somit auch die Noindex-Anweisung. Hier liegen Google widersprüchliche Informationen vor (das Original sagt Index, die Kopie Noindex), welche bei der Suchmaschine anscheinend für Verwirrung sorgen (siehe hierzu das Webmaster Hangout vom 21.12.2012, ab Minute 37:44).

Kombination rel=“canonical“ und Noindex-Attribut

2. Cloaking: Unterschiedliche Inhalte für User und Google

Darüber hinaus kann sich, wie zu Anfang des Blogposts dargestellt, teufelaudio.com in google.ch eine relativ konstante Sichtbarkeit sichern. Hier findet eine Art Cloaking statt, damit der Googlebot sich mit seiner amerikanischen IP nicht in der sonst vorgeschalteten IP-Lokalisierung verfängt, gelangt dieser direkt auf den jeweiligen Inhalt (der User bekommt jedoch mit den Klick auf das jeweilige Suchergebnis einen anderen Inhalt angezeigt).

teufelaudio.com aus Sicht des Googlebot (keine Noindex-Anweisung, keine Länderauswahl vorgeschaltet und deutschsprachige Textelemente)

Länderauswahl bei teufelaudio.com aus Sicht des Chrome User Agent

3. User Signals und Links

Unabhängig von den zuvor erwähnten möglichen technischen Ursachen fällt auf, dass teufel.de sowie teufelaudio.com deutlich mehr Backlinks besitzen als teufel.ch. Die .de Domain wird von 5.337 und die .com von 370 Domains verlinkt, hingegen die Schweizer Domain von nur 17. In diesem Fall wird Google möglicherweise eine stärkere Relevanz von teufel.de und teufelaudio.com signalisiert, wodurch die höhere Sichtbarkeit in google.ch begünstigt wird.

Fazit

Eine genaue Vorhersage, wie Google auf dieses ungewöhnliche Konstrukt reagiert, ist unmöglich. Zumindest zeigt sich aber, das Google darauf nicht immer konstant reagiert. Womöglich hängt es mit vielen verschiedenen Faktoren zusammen: Die Länderzuweisung durch das hreflang-Attribut ist gesetzt, scheint jedoch teilweise keine Bedeutung für Google zu haben. Die Domain teufelaudio.com kann, potentiell bedingt durch die nicht vorhandene IP-Lokalisierung (aus Sicht des Googlebots) Rankings für sich gewinnen. Auch scheint die Kombination vom Canonical-Attribut und der Noindex-Anweisung keine optimale Kombination zu sein.

Fest steht jedoch: Das gesamte Konstrukt scheint Google teuflisch zu verwirren.

 

 

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